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Ab nach Berlin

Kurz nach dem 30. Geburtstag ging es 1998 von Wien nach Berlin. Natürlich mit der besten Hälfte. Denn die wollte schließlich dort studieren. Und bei einem zweitägigen Vorab-Trip wurde alles weitere klargemacht in der neuen deutschen Hauptstadt. Wohnung in Kreuzberg, in der wunderbaren Bergmannstrasse, direkt gegenüber der Marheineke Markthalle. Und ein Job für mich in einer der 10 spannendsten Agenturen der Stadt, wie „Die Welt“ in einem Artikel 1999 fest- und vorstellte.

Die essence Werbeagentur, die es heute leider leider nicht mehr gibt, war das Werk von Axel Bollmann und Carsten Niepmann, zwei tollen Werbern, die schon in der ganzen Bundesrepublik ihr „werbliches Unwesen“ getrieben hatten. Und nun konnte ich dort als Texter und Konzeptionist mitmischen. Dabei war es erst mal wichtig, vor allem für einem Mann der Sprache, zu lernen, was ist deutsch und was ist österreichisch. Gar nicht so einfach, vor allem wenn einem im Stress ein „Ich schau jetzt gach auf a Tschik“ entfuhr. Die Umgebung reagierte darauf meist mit einem freundlichen Nicken – und ich wusste, sie hatten kein Wort von dem verstanden, was der drollige Wiener da eben angekündigt hatte.

Das war in dem Fall zwar erwartbar, aber dass es in Berlin kein „heuer“ und keinen „Türstock“ gibt, traf mich dann doch einigermaßen unvorbereitet :))

Wie der aufsehenerregende Scan meiner Visitenkarten-Rückseite schon zeigt, habe ich von meinem Schaffen in Berlin leider viel zu wenige Belege – weder digital noch analog. Das tut aber der Tatsache keinen Abbruch, dass diese Zeit extrem spannend und einzigartig war.

Spannende Kunden

Denn die Agentur hatte eine Menge ganz besondere Kunden. Und zwar einige ehemalige „DDR-Marktführer“, die es nun galt, auch auf dem gesamtdeutschen Markt entsprechend zu etablieren. Dazu zählten z.B. fit Spülmittel (das ostdeutsche Pril) oder Rondo Melange (der ostedeutsche Jacobs).

Darüber hinaus gewannen wir noch die Saarow Therme als neuen Kunden, arbeiteten für Berlin Partner und pitchten erfolgreich für die Berliner Volksbank.

Arbeit und Stadt – ein Erlebnis

Alles in allem war die Mischung aus einer spannenden Arbeit in einem extrem familiären und netten Team und die Erkundung Berlins für Martina und mich eine wunderschöne Erfahrung. Von Spielen der Hertha im alten Olympiastadion bis zur Love Parade und Touren durch alle Bezirke und Viertel der Stadt bis zum Wannsee war alles dabei. Es kam ja auch immer und immer wieder netter Besuch aus Österreich, dem wir die Stadt zeigen durften. Und so waren wir bald ehrenamtliche Fremdenführer in dieser unheimlich lebhaften, pulsierenden und sympathischen Stadt. Und natürlich wollten alle erst mal zum Brandenburger Tor und zum Potsdamer Platz.

Wir lernten Berlin dabei auch so gut kennen wie kaum eine andere Stadt. Und vermutlich ist es auch deshalb bis heute neben Wien unsere absolute Lieblingsstadt, die wir immer und immer wieder (aber trotzdem viel zu selten) besuchen. Ich weiß es liest sich wie ein Klischee, aber Berlin und wir, das passt(e) einfach von Anfang an.

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